Letterpress

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Warum Letterpress wieder relevant ist

Letterpress – im Deutschen auch Buchdruck oder Hochdruck genannt – ist eines der ältesten Druckverfahren der Welt, erfunden 1445 von Johannes Gutenberg in Mainz. Über 500 Jahre lang war es die dominante Drucktechnik, bevor es in den 1970ern vom Offset- und Digitaldruck verdrängt wurde. Heute erlebt Letterpress eine Renaissance, weil es etwas kann, was keine andere Drucktechnik schafft: eine fühlbare, tiefe Spur im Papier zu hinterlassen.

In dieser ersten Ausgabe unserer Reihe Hinter dem Objekt erzählen wir, wie eine Werkstatt in Tokio – Tomigaya Letterpress – diese alte Technik neu interpretiert. Und warum drei Notizbücher mit den Schriften Gill Sans, Bodoni und Futura mehr sind als nur ein Notizbuch.

Was ist Letterpress? Eine kurze Erklärung

Letterpress ist ein Hochdruckverfahren: Erhabene Lettern – aus Metall oder Holz – werden eingefärbt und mit Druck auf Papier gepresst. Die Buchstaben hinterlassen dabei nicht nur Farbe, sondern eine sichtbare und fühlbare Vertiefung im Papier. Diese „Prägung" wird auf Englisch impression genannt und ist das visuelle und haptische Markenzeichen jedes Letterpress-Drucks.

Im Gegensatz zum modernen Offsetdruck (bei dem Farbe auf eine glatte Oberfläche aufgetragen wird) und zum Digitaldruck (der gar keinen Kontakt zur Druckfläche braucht) entsteht beim Letterpress eine dreidimensionale Spur – ein Eindruck, den man mit dem Finger nachfühlen kann.

 


Die Geschichte des Letterpress in fünf Stationen

1445 – Gutenbergs Erfindung in Mainz

Johannes Gutenberg entwickelt in Mainz das Verfahren des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Sein erstes großes Werk: die Gutenberg-Bibel, gedruckt zwischen 1452 und 1455. Diese Erfindung gilt als einer der bedeutendsten Wendepunkte der europäischen Geschichte – sie macht Wissen erstmals massenhaft reproduzierbar.

16.–19. Jahrhundert – Letterpress prägt die westliche Welt

Über fünf Jahrhunderte ist Letterpress die einzige industrielle Drucktechnik. Bücher, Zeitungen, Plakate, Visitenkarten – alles wird mit Hochdruck produziert. Schriftgestalter wie Giambattista Bodoni (Ende 18. Jh.) entwickeln in dieser Zeit Schriften, die bis heute zu den wichtigsten der Typografiegeschichte gehören.

Frühes 20. Jahrhundert – Goldenes Zeitalter der Schriftgestaltung

In den 1920er Jahren entstehen zwei Schriften, die die moderne Typografie prägen wie kaum andere: Futura (Paul Renner, 1927) und Gill Sans (Eric Gill, 1928). Beide werden zunächst als Letterpress-Schriften in Holz und Metall geschnitten.

1970er – Der Niedergang

Mit dem Aufkommen des Offsetdrucks und später der digitalen Drucktechniken wird Letterpress unwirtschaftlich. Werkstätten schließen, Maschinen werden verschrottet, Holzlettern landen auf Flohmärkten. Eine 500 Jahre alte Tradition scheint zu enden.

Ab 2000 – Die Renaissance

Designerinnen und Designer in London, New York, Berlin und Tokio holen die alten Maschinen aus Kellern. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie etwas erkannt haben: In einer Welt der digitalen Perfektion sehnen sich Menschen nach Spuren, nach Haptik, nach Imperfektion. Letterpress wird zur Sprache einer neuen Design-Generation.

 


Was macht Letterpress heute so begehrt?

Drei Eigenschaften, die kein anderes Druckverfahren in dieser Form bietet:

1. Die Prägung (Impression) Jeder Buchstabe drückt sich physisch ins Papier. Das Ergebnis ist nicht nur sichtbar, sondern fühlbar – ein Effekt, der weder durch Offset noch durch Digitaldruck reproduzierbar ist.

2. Die Einzigartigkeit jedes Drucks Jeder Bogen wird einzeln in die Maschine gelegt. Farbverteilung, Druckintensität und Holzmaserung führen dazu, dass kein Druck exakt wie der andere ist. Was im industriellen Druck als Fehler gelten würde, ist hier Teil der Ästhetik.

3. Die Verbindung von Geschichte und Handwerk Wer heute Letterpress druckt, arbeitet oft mit Maschinen aus den 1950er- und 60er-Jahren und Holzlettern, die teils noch älter sind. Jeder Druck trägt diese Geschichte in sich.

 


Tomigaya Letterpress – Eine Werkstatt in Tokio

Im Stadtteil Tomigaya im Tokioter Bezirk Shibuya betreibt das Studio Tomigaya Letterpress eine kleine Werkstatt mit Druckmaschinen aus den 1960er- und 70er-Jahren. Die Maschinen stammen ursprünglich aus den USA, der Schweiz und Deutschland und wurden einst als Proof-Press-Maschinen in der professionellen Druckindustrie eingesetzt.

Was Tomigaya Letterpress besonders macht: die Verbindung zweier Druck-Traditionen. Westliche Typografie – Gill Sans, Bodoni, Futura – trifft auf die japanische Tradition des 活版印刷 (kappan-insatsu), dem japanischen Hochdruck mit beweglichen Lettern. Das Studio arbeitet mit seltenen, vintage alphabetischen Holzlettern und kombiniert sie mit japanischer Buchbindekunst und Papierherstellung.

Im selben Gebäude befindet sich ein Café, in dem nach Workshops über Typografie geredet wird. Tomigaya Letterpress ist damit nicht nur eine Werkstatt, sondern ein Ort – und Letterpress hier kein Retro-Stilmittel, sondern eine bewusste Haltung gegen die Flüchtigkeit des Digitalen.

 


Drei Schriften, drei Geschichten – die Typeface Notebooks

Die Typeface Notebooks von Tomigaya Letterpress tragen jeweils eine der drei wichtigsten Schriften der Typografiegeschichte auf dem Cover – handgepresst mit Vintage-Holzlettern in Tokio.

Bodoni (spätes 18. Jh.) Entworfen von Giambattista Bodoni im italienischen Parma. Eine der ersten „modernen" Schriften – mit starken Kontrasten zwischen dicken und dünnen Linien. Gilt bis heute als Inbegriff eleganter Buchtypografie.

Futura (Paul Renner, 1927) Eine geometrische Sans-Serif, die das Bauhaus-Denken in Schriftform übersetzt. Kreise, Quadrate, Dreiecke als Grundformen. Futura wurde mit den Mondlandungs-Plaketten der Apollo-Missionen ins All gebracht.

Gill Sans (Eric Gill, 1928) Die humanistische Antwort auf die geometrische Strenge der Futura. Warm, klar, mit unverkennbar britischem Charakter. Über Jahrzehnte die Hausschrift der BBC und von Penguin Books.

Alle drei Schriften erhältlich in vier Cover-Farben, mit 365 dot-grid-Seiten, gebunden in Tokio.

 


Häufige Fragen zu Letterpress

Was ist Letterpress? Letterpress ist ein Hochdruckverfahren, bei dem erhabene Lettern aus Holz oder Metall eingefärbt und mit Druck auf Papier gepresst werden. Die Buchstaben hinterlassen eine sichtbare und fühlbare Vertiefung im Papier.

Wer hat Letterpress erfunden? Johannes Gutenberg entwickelte das Verfahren 1445 in Mainz. Es war die erste Drucktechnik, die Bücher in größerer Stückzahl reproduzierbar machte.

Was ist der Unterschied zwischen Letterpress und Buchdruck? „Buchdruck" ist die deutsche Bezeichnung für Letterpress. Beide Begriffe meinen dasselbe Hochdruckverfahren mit beweglichen Lettern.

Warum wird Letterpress heute wieder verwendet? Weil es eine fühlbare Prägung im Papier hinterlässt, die kein anderes Druckverfahren reproduzieren kann. Jeder Druck ist zudem ein bisschen anders – ein bewusster Gegenpol zur digitalen Perfektion.

Was kostet ein Letterpress-Notizbuch von Tomigaya? Die Typeface Notebooks von Tomigaya Letterpress sind im Charles & Marie Shop erhältlich. Die aktuellen Preise findest du auf der Produktseite.

Wo wird Tomigaya Letterpress hergestellt? Alle Tomigaya-Produkte werden in einer kleinen Werkstatt im Stadtteil Tomigaya in Shibuya, Tokio, von Hand gedruckt und in Japan gebunden.

 


Hinter dem Objekt ist unsere neue Reihe, in der wir die Geschichten hinter ausgewählten Produkten in unserem Shop erzählen. Manchmal geht es um eine Drucktechnik, manchmal um eine Designerin, manchmal um ein Material. Immer geht es um das, was ein Objekt zu mehr macht als ein Produkt.

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